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Ein Fall wie Hunderttausend andere
#1
[Diskussion hier: http://www.trennungsfaq.com/forum/showth...p?tid=2511 ]

Vorneweg: Vieles ist alles andere als abgeschlossen, sondern in Entwicklung, ich kann also nicht alles öffentlich schreiben.

Aufgewachsen bin ich in einer grossen Familie, dann aber früh, weit und lange durch die Welt gereist, meistens allein und nicht gerade über ausgetretene Pfade. Diese Wanderzeit brachte mir lebensprägende Erfahrungen wie auch eine gewisse Resilienz. Das Geld habe ich als Ferienarbeiter auf dem Bau verdient. Ausserdem hatte ich bereits als Schüler Programmierarbeiten anzubieten, die Marktwert hatten. Schliesslich folgte ein naturwissenschaftliches Studium incl. gutem Abschluss, dazu noch einige spezielle Dinge weitab von Technik. Was mir immer schon Brechreiz verursachte, war Juristerei aller Art, Titel, Steuerrecht, Verwaltungsmist und ich hatte früh die Gewissheit, dass mein Geschlecht ein Nachteil ist, was mir bereits mit der Einberufung in den Zwangsdienst drastisch vorgeführt wurde.

Mit Mädchen war nichts und irgendwann habe ich mich nicht mehr drum bemüht, dieses Rätsel zu lösen. In dem Alter ist man für Frauen unsichtbar, wenn man keine Lust auf komplizierte Spielchen hat und die hatte ich nie. Oder man ist der böse coole Junge. War ich auch nicht. Als guter Schüler in Mathe bis zum Abitur gab ich unter anderem Mathenachhilfe an Gleichaltrige. Näher wie eine Armlänge bin ich aber nie an die Damen heran. Freundinnen kamen somit erst sehr spät. Frauen anmachen? Ist mir zu kompliziert. Es gab mit fortschreitendem Alter aber immer mehr Frauen, die von sich aus mit mir anbandelten. Der Wert von Männern steigt mit ihrem wirtschaftlichen Potential. Zwei dieser Freundinnen sagten offen, dass sie bald eine Familie gründen möchten. Dazu wünschte ich ihnen viel Glück, denn ich spürte dass sie in mir ein Investment gesehen haben, einen potentiellen Vater und Lebensunterhaltsbesorger. Gefiel mir nicht. Wenn schon Familie, dann egalitär organisiert, mit gleichen Pflichten. Eine Abstandslinie habe ich deshalb immer eingehalten und auch niemals mit einer Freundin zusammengewohnt.

Beruflich wollte ich nicht der Überstundenjockey sein, der von einem stressigen Job zum anderen hechtet, sich für arrogante Manager abarbeitet und mühsam erarbeitete Talerchen aufeinander legt, um staatstragend dem üblichen Konsumzwang von Wohlstandsgerümpel und Statussymbolen zu folgen. Also selbständig geworden, gerade genug für mich selbst verdient, viele interessante Dinge gemacht, das Leben war gut. Ich bin zu 100% ein reiner INTJ-A.

Um das alles in die Katastrophe zu kippen, reichten ein nicht wirklich gewolltes Kind und eine Freundin. Besagte Freundin hat das freie Leben mit mir eine Zeitlang sehr genossen. Das Thema Kind war im Hintergrund. Sie könne laut Arzt keine bekommen, sagte sie. Schliesslich kam doch eins. Das war erst einmal nicht tragisch, ja sogar schön. Sie war mit der Ausbildung noch nicht ganz fertig, machte aber weiter, unser Kind haben wir währenddessen gemeinsam betreut. Sie hat Kurse belegt, ich war dann allein mit dem Kind, kein Problem. Vaterschaftsanerkennung brav gemeinsam mit der Mutter gemacht, aber ohne gross nachzudenken hingenommen dass die Mutter beim gemeinsamen Sorgerecht recht zurückhaltend war und keine Zeit mehr für den dafür nötigen Termin fand. Die Mutter sagte es nicht explizit, aber für sie war klar, dass ich nun beruflich richtig was ranzuschaffen hätte, während sie zu Hause beim Kind dirigiert. Zeit mit dem Kind war mir aber wichtiger. Ihr auch. Im Gegensatz zu mir konnte sie das auch herbeiführen, alleinige Sorge (§1626a BGB - absolutes Mutterprimat) und Mütterbonus gaben ihr enorme Macht. Sie schloss in den Monaten ab Geburt Bekanntschaften mit einigen Alleinerziehenden, sagte mir nach einigen weiteren Monaten klipp und klar, dass sie auf alleiniger Sorge bestehen würde und trennte sich etwas später ohne Erklärung kurzerhand von mir. Die Tür war plötzlich komplett zu.

Fragen von mir nach einer Umgangsregelung und allem anderen ignorierte sie einfach. Drei Monate lang hatte ich das Kind noch einen Nachmittag pro Woche, dann war sie und das Kind schlagartig vollkommen unerreichbar für mich. Sie liess alles ins Leere laufen, antwortete auf keinem Kanal. Am Telefon nur der Anrufbeantworter, keine Reaktion auf Briefe, eMails, besorgte Fragen von Verwandten. Ein hinterrennender Ex oder gar Stalker wolle ich nicht sein, deshalb nur massvoll Kontaktversuche gemacht und die dokumentiert, um mich gegen entsprechende Vorwürfe abzusichern. Inhalt meiner Kontaktversuche war ab Trennung ausschliesslich das Kind, nicht sie, nicht der unverständliche Ablauf der Trennung. Eine Zeitlang habe ich mich selbst gefragt, was falsch lief, um so eine Reaktion zu begründen. Dann zu den Akten gelegt, es interessierte mich nicht mehr.

Der typische Trennungsvater-Abstieg begann. Während ich mich verzweifelt, aber sehr höflich und brav durch den Beratungs- und Jugendamtstanz arbeitete (beteiligt waren zeitweise zehn Personen der Helferindustrie) um wieder Umgang zu bekommen, ging es beim Unterhalt ruckzuck: Die Mutter unterschrieb eine Beistandschaft im Jugendamt, die Jugendamts-Beiständin zog in wenigen Wochen ein knallhartes Programm durch, klagte sofort nach kurzen Fristen auf Unterhaltssätze, die ich nicht bezahlen konnte. Betreuungsunterhalt wurde parallel auch verlangt, Zahlen und Forderungen dass mir die Augen übergingen. Psychisch fix und fertig brachen meine Einnahmen weg, die ohnehin immer nur für mich reichten. Krankheiten tauchten plötzlich auf, an denen ich bis heute laboriere, Herzprobleme, Bandscheiben - bereits in einem Alter, in dem andere noch Spitzensport betreiben. Meine Haare wurden vorzeitig grau. Bewerbungen für lohnabhängige Jobs brachten nichts, man traute mir nach der Selbständigkeit nicht mehr zu, abhängig zu arbeiten. Bei einfachen Sachen hiess es "überqualifizert". Sackgasse, aus.

Innerhalb weniger Wochen war ich finanziell fertiggemacht und aufgrund fiktivem Einkommen zu Unterhalt verurteilt. Allerdings war mir sofort nach der Trennung klar, was kommen würde und so habe ich mich sofort pfändungsfest gemacht, wichtige Weichen gestellt, gleichzeitig Richtung Jugendamt und Gericht immer brav genickt, eifrig verhandelt, obwohl ich nicht die Absicht hatte, irgendeinem Beschluss zu befolgen, das Scheisspiel "Unterhaltsrecht" spielte ich von Anfang an nicht mit. Wenn ich aber etwas kann, dann mich schnell auf neue Situationen einstellen, etwas zu lernen und Dinge konsequent durchziehen. Umsätze machen, etwas im Beruf zu leisten, das war vorbei, ich wechselte komplett die Spur. Ja, ich zahle seitdem Unterhalt - und zwar genau so viel, wie ich für richtig halte. Der Betrag liegt weit niedriger wie gefordert. Das mache ich bis zur ersten Pfändung, danach gibt es nichts mehr. Bis heute kam keine Pfändung, nur immer höhere Schuldenrechnungen, die mich amüsieren.

Im krassen Gegensatz dazu hatten beim Umgang all die Helfer und das Gericht uneeeeendlich viel Zeit. Es sollte trotz Untätigkeitsbeschwerden ein volles Jahr dauern (Unterhaltsgerichtstermin aber: wenige Wochen), bis überhaupt ein erster Gerichtstermin stattfand. Dort wurde von einem unglaublich gelangweilten Richter betreuter Umgang festgelegt, weil mich das Kind nicht mehr kennen würde. Danach sollten Gespräche zwischen den Eltern stattfinden. Betreuter Umgang ist entwürdigend, man steht unter Aufsicht in einer Reihe mit missbrauchenden und misshandelnden Elternteilen. Ich habe das so brav wie alles andere mitgemacht. Das Kind war in diesen Stunden aufgeschlossen und freute sich, wenn das nicht gewesen wäre hätte ich längst dem starken inneren Drang nachgegeben, alles hinzuwerfen.

Ein Gespräch zwischen den Eltern fand aber nicht statt. Der vom Richter benannte Vermittler vermittelte nicht, störte sich nicht am diesbezüglichen mütterlichen Schweigen. Ich bekam ohne Gespräch wenige Umgangstermine von der Mutter diktiert, die ich annehmen konnte oder es bleiben lassen, dann sind sie halt ersatzlos ausgefallen. Manchmal gab es auch unbegründete Absagen kurz vor dem Termin. In das Gericht oder sonstige Helfer hatte ich jeden Glauben verloren. Im Jugendamt hiess es, ich hätte doch Umgang, was ich denn wolle. Ausserhalb der Umgangsstunden war ich von allem ausgeschlossen, was das Kind betraf. Die Mutter kapselte sich auch gegenüber anderen Verwandten ab, wenn etwas zu hören war dann absurde Schuldzuweisungen aus der Luft heraus. Die Mutter war komplett abgedreht und hatte sich eine andere, eigene Realität geschaffen. Und es gab auch keinerlei Möglichkeit für mich, eine Elternebene zu schaffen.

Nichts hat mich mehr gehalten. Ich bin weggezogen, habe meine Lebensweise umgestellt, habe mich in als ekelerregend empfundene Juristenwelt eingearbeitet, dafür gesorgt pfändungssicher zu bleiben, begonnen Kontakte zu anderen Vätern zu knüpfen, etwas für die Sache zu tun, auch wenn der eigene Fall den üblichen traurigen Weg genommen hatte. Schnell stellte ich fest, dass mein Fall kein Einzelfall war, sondern bis in letzte Details zigtausendfach in diesem Land stattfand. Den Umgang, so dünn er auch war, nahm ich konsequent wahr, aber immer mit dem Bewusstsein, dass jeder Termin der Letzte sein könnte.

Die Mutter, mit qualifiziertem Abschluss, vergammelte als untergeordnete Bedienung in einem Laden, das Kind kam immer lieber zu mir, obwohl ich keine Spass-und-Spiel Wochenenden für es veranstaltete und durch die totale Einschnürung keine nahe Beziehung entstehen konnte. In der mittlerweile begonnenen Schule zeigten sich Probleme, die Mutter regte sich darüber auf, ohne etwas Positives zustande zu bringen. Schuld waren immer die anderen. Ein erneutes Umgangsverfahren durch mich, das formal mit einer Ausweitung der Umgangszeiten endete brachte einiges davon ans Licht. Nach einer Phase mit mehr Umgang fiel die Mutter wieder in alte Muster zurück, blockierte, mal subtil, mal offen - es wurde immer schlimmer.

Mein Fazit bis dahin: Die mühsamen Aktivitäten der Trennungsväter hatten über die Jahre keine Veränderungen gebracht. Eine Vorwurfs- und Unterhaltskultur gegen Väter sitzt fest im Sattel. Dieser Staat wird schneller untergehen wie er Reformen schafft. Was ich niemals tun werde:

- Verantwortung übernehmen für die Folgen von dem, was die Mutter und ihre staatliche Helferin dem Kind angetan haben.
- weniger als gemeinsames Sorgerecht und gleichwertige Betreuung akzeptieren, auch wenn das in meinem Fall nicht mehr zu erreichen ist.
- mich einem Unterhaltsrecht oder sonst einem Familienrecht zu beugen, das Menschen mit Verstand nur als unethische Perversität und schamlosen erpresserischen Raub bezeichnen können.
- Täter, Erfüllungsgehilfen oder Büttel zu bezahlen. Ich habe noch nie einen Anwalt beschäftigt oder einen Cent für Gerichtsgebühren bezahlt. Der Staat und seine Lakaien bekommen kein Geld von mir. Auch in anderen Dingen nicht. Mitglieder der Rechtspflege behandle ich generell respektlos und erschwere ihnen ihr Leben so weit wie möglich. Meine Taktik: Höflich anlächeln, vordergründig kooperativ, aber in Wirklichkeit abservieren, von hinten her ohne Grenze zusammentreten. Juristen sind nicht alle pauschal schlecht - die können sie gerne widerlegen. Aber es gibt zunächst eine Unehrenhaftigkeitsvermutung, so wie mir gesetzlich in §1626a BGB automatisch unterstellt wird, der schlechtere Elterteil zu sein.
- Wertschöpfung zu betreiben, die dem Staat zugute kommt.
- es aufgeben, Veränderungsdruck zu erzeugen.

Fortsetzung folgt....

[Diskussion hier: http://www.trennungsfaq.com/forum/showth...p?tid=2511 ]
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#2
Die Fortsetzung:

Als mir klar wurde, dass die Folgen dieser Trennung mit Kind über den Verlust der gelebten Vaterschaft und die Ankunft in den perversen Mühlen des Unterhaltsrechts mein ganzes Leben dauerhaft umwirft, habe ich viel nachgedacht.

Eine der Fragen lautete "Noch einmal Kinder, Partner- und Vaterschaft erleben?" Wieso eigentlich nicht, wieso soll ich mir das einfach so nehmen lassen? Zu verlieren gab es nichts mehr, nur noch zu gewinnen. Eine neue Beziehung entstand, ohne dass ich aktiv danach gesucht hätte, so wie immer. Sie begann mit klaren Ansagen, ich habe offen erzählt was mit mir geht und was nicht, zum Beispiel ein Ernährer. Gemeinsam gewollte Kinder kamen. Mehrere. Sorgerecht und Vaterschaft haben wir noch in den ersten Monaten der Schwangerschaften lange vor dem Geburtstermin gemeinsam beurkundet. Diese Beziehung ist bis heute erfüllend geblieben und macht auch vieles möglich, was alleine unmöglich geblieben wäre. Wir erziehen die Kinder vom ersten Tag an gemeinsam und ich bin de facto Unterhaltsempfänger. Das Gebäude, in dem ich sein sollte gemäss Rollenerwartungen, Staat und Ex habe ich verlassen ohne zurückzukehren. Dies stellt genau das Gegenteil von dem dar, wozu man mich mit aller Gewalt zwingen wollte. Wir nutzen das von Staat und Gesellschaft geschaffene Ökosystem, kämpfen nicht gegen Gesetze, sondern nutzen die Strömung in ganz eigener Weise für uns. Die Helfer- und Unterhaltseintreiberindustrie halte ich weiterhin absichtlich beschäftigt, damit sich dort kräftig Aktenordner und Arbeit anhäufen, aber kein Geld eingeht.

Nachdem das erste Kind wieder gelegentlich kommen durfte, bildete sich trotz der eingeschnürten Kontakte eine feste Freundschaft zwischen den Halbgeschwistern. Das erste Kind spürte und genoss familiäre Nestwärme, erlebte Beziehungen zur übrigen Verwandtschaft, Freundschaft. Der Ex blieb das nicht verborgen und es missfiel ihr: Umgangstermine liess sie präzise wie ein Uhrwerk ausfallen, wenn sie erfahren hat, dass an diesem Termin ein Familienfest gefeiert wird. Fiel der Umgangstermin beispielsweise auf einen Geschwistergeburtstag, dann ist er jedesmal kurz vorher abgesagt geworden.

Im Privatleben haben wir uns von vielen Dingen ebenfalls abgekoppelt und betreiben dafür Anderes, z.B. Subsistenz- und Tauschwirtschaft. Den Kindern bringe ich vieles selbst bei, statt sie in Termine herumzuschieben. Einen Fernseher, Netflix und mehr als Brettspiele gibt es nicht in der Wohnung, dafür Bücher und draussen die Landschaft, Papa und Mama. Erstaunlicherweise gefiel das auch dem ersten Kind sehr, obwohl es bei uns keine Eventereignisse bekommt, gefordert wird und das alles einen enormen Kontrast zu seinem übrigen Leben darstellt. Es lebt in einer Innenstadt, ist intellektuell begabt, ging in eine Brennpunktschule. Die Ex ist versumpft, fördert nichts ausser ihrer eigenen Fettsucht. Das Kind erlebte zwei streng getrennte Umgebungen.

Das Kind hat der Mutter irgendwann widersprochen. Beim vom Richter festgelegten "Gesprächstermin" hat das Kind im Beisein einer unfähigen Jugendamtsfigur trotz Druck von aussen leise, aber bestimmt darauf bestanden, erstmalig einen Tag an Weihnachten und die halben Ferien beim Papa und den Geschwistern zu verbringen. Die Ex wollte das so nebenbei zusammenstreichen, wie es immer tut. Danach wurde sie sehr still, die Ex riss das Kind nach dem "Gespräch" aus dem Raum und rollte ohne ein Wort ab.

Prompt begann eine neue Phase mit Boykotten und Manipulationen, die sich über Monate steigerten. Die üblichen Dinge wie zum Beispiel: Sie meldete das Kind zu Veranstaltungen an, die an Umgangstagen stattfanden. Das Kind hatte mir die Absage selbst zu schreiben, Brief mit Absage in Mutterformulierung, darunter aber eine Kinderzeichnung, die genau das Gegenteil der Absage ausdrückte. Häuser mit Familie, in denen gemeinsam gewohnt wird. Telefonkontakte blockierte sie immer schon, obwohl sie das vor Gericht ausdrücklich zugesagt hat. Und noch tausend Stiche mehr. Die kriminell unfähige Jugendamtsfrau gab allem Rückendeckung. Die Geschwister heulten und verstanden nicht, warum das Kind nicht kommt, denn nach dem letzten mir diktierten Termin war Ende.

Jugendamt, Gerichte und überhaupt die ganzen Klimmzüge waren mir so wie die gesamte Situation aber so zuwider geworden, dass ich nicht mehr darauf reagierte, sondern die Tür offenliess, ansonsten ruhig blieb. Das wirkte überraschenderweise überwiegend als positiver Schub bei mir. Keine komplizierte Logistikakrobatik mehr, um zu stärksten Stauzeiten quer durch Land zu fahren um das Kind zu holen und zurückzubringen, keine bangen Erwartungen ob wieder kurz vorher abgesagt wird, kein Ärger über neue Schwachsinnigkeiten und ganz besonders erfreulich: Kein Kontakt mehr mit den kriminell minderbegabten Schwachmaten der Helferindustrie. Die Ruhe hat mir gutgetan, derStress verringerte sich und sich mehr aufs eigene Leben zu konzentrieren hätte ich schon früher machen sollen. Natürlich denkt man weiter ans Kind, aber es verblasst auch.

Schliesslich traf nach zwei Jahren ein seltsamer Brief des Kindes ein. Es wollte relativ kurzfristig an einem Wochenende kommen. Uns mal wieder sehen. Passte mir aber nicht. Wir hatten gerade Extremstress, ein Familienangehöriger lag im Sterben und unverschiebbare Termine. Also wieder per Brief geantwortet: Geht leider nicht an diesem Termin, aber später gerne. Nach Monaten ein neuer Brief: Es wollte gerne jetzt kommen. Okay, klar - es kam. Es war unsicher, nervös, hatte irgendwie ein schlechtes Gewissen, aber es wurde schliesslich ein schönes Wochenende. Ich habe keine grossen Themen angesprochen, sondern wie immer einfach Normalität und Selbstverständlichkeit gegeben. Über ihre Mutter verlor ich wie immer kein Wort, auch nicht indirekt, dafür gab es auch nie einen Grund, denn diese Person gehört nicht zu meinem Leben.

Damit brach im Vergleich zu früher ein Damm. Dank dem Smartphone, das es mittlerweile hatte. Plötzlich klappte die Kommunikation da unkontrollierbar von der Mutter, schnell, problemlos. Ein Witz: Dreimal vor Gericht gewesen, viele Helfer beteiligt und trotzdem nie ein Zeugnis zu Gesicht bekommen. Plötzlich bekam ich auf Nachfrage am Schuljahresende in zwei Sekunden ein Zeugnisfoto. Direkt von ihr. Die äusserst erfolgreiche Totalblockade der Ex in Richtung Kind, mit der sie praktisch alles gewonnen hatte was es für sie zu gewinnen gab (auf Kosten des Kindes) hatte plötzlich mehr Löcher wie ein schweizer Käse. Plötzlich war ein Durchkommen zum Kind. Wir vereinbarten eine gemeinsame Ferienwoche, für die es sofort zusagte. Wir vereinbarten wieder regelmässigen Kontakt. Auch die Kommunikation der glücklichen Halbgeschwister untereinander lief.

Irgendein Funke glühte beim Kind immer und sich schliesslich von selbst zu uns durchzubeissen war eine tolle Leistung. Es konnte sich auch an viele Details von früher erinnern. Wir waren viel wichtiger wie es den Eindruck hatte. Eine Elternbeziehung existiert trotzdem nicht, dazu fehlte immer viel zu viel. Das kratzt mich aber schon lange nicht mehr, verloren ist verloren, was hätte sein können geht im Nebel der Vergangenheit unter.
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