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SchweiZausbruch
#1
[Diskussion hier: http://www.trennungsfaq.com/forum/showth...p?tid=3245 ]

Meine Vorgeschichte unterscheidet sich nicht sehr von den anderen hier beschriebenen Tragödien. Schauplatz war die Schweiz. Ich war dort verheiratet und wurde Vater von zwei Kindern. Das Ende kam nach wenigen Ehejahren kurz und schmerzhaft. Meine Frau gönnte sich einen Lover und zog über Nacht mitsamt den Kindern zu ihm. Einige Monate später waren wir geschieden. Üppige Kinderalimente zahlbar an die Mutter sowie 14-tägige Besuchswochenenden und hälftige Ferien der Kinder bei mir wurden vom Gericht im Scheidungsurteil festgelegt, aber damit konnte ich leben.

Während die Kinderalimente zuverlässig flossen vereitelte die Mutter die Besuchswochenenden immer häufiger. Ich suchte darüber das Gespräch mit ihr, aber sie blockte alles ab. Kurz darauf heiratete sie ihren Lover und ab da gab es kaum mehr Besuchswochenenden.

Ein befreundeter Advokat machte mir klar, dass es in der Schweiz keine wirksame juristische Möglichkeit gibt, die Mutter zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen zu bringen. Kontakt zu den Kindern gibt es nur, wenn die Mutter das will.

Ich beschloss ein Jahr zu abzuwarten, Ruhe einkehren zu lassen und zu sehen, wie sich die Dinge seitens der Mutter entwickeln würden.
Ich nutzte die Zeit um nachzudenken, mein Leben aufzuräumen und meine Zukunft finanziell abzusichern. Die Kinder waren in dieser Zeit drei Wochenenden sowie eine Woche der Ferien bei mir zu Besuch. Eine Verbesserung hin zu den im Urteil festgelegten Modalitäten war nicht in Sicht und die Situation wirkte sich auch negativ auf meine Gesundheit aus – Übergewicht, Bluthochdruck, Tinitus und Depressionen machten mir schwer zu schaffen.

So hatte ich mir weder meine Vaterschaft noch mein restliches Leben vorgestellt. Ich bin kein Schweizer und eigentlich war ich nur noch wegen der Kinder da. Die wenigen Tage mit ihnen waren es mir aber nicht wert, in der Schweiz zu bleiben. Allein sein kann ich überall auf der Welt und dazu noch an schöneren Plätzen als der Schweiz.

Mein Arzt empfahl mir zudem Abstand zu meinen Belastungen, am besten durch eine Ortsveränderung und so brach ich auf, um mir eine neue Heimat zu suchen, ein Land, in dem ich künftig leben und arbeiten wollte. Am Ende waren China, Kambodscha, Laos, Malaysia, Philippinen, Thailand, Südkorea und Vietnam in meiner engeren Auswahl. Nach Abklärung von Aufenthalts-, Arbeits- und Lebensbedingungen habe ich mich für eines dieser Länder entschieden und bin dorthin ausgewandert um ein neues Leben aufzubauen.

Das war zwar mühsam und oft schwierig mit teils heftigen Rückschlägen. Ich habe das aber alles überstanden und nach vier Jahren kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat. Ich fühle mich wohl, bin gesund und wieder verheiratet. Meine Frau und ich können gut vom Lohn für unsere Arbeit leben.

Aber das Einkommen von ein paar hundert Franken reicht natürlich bei weitem nicht, monatlich 2’xxx Franken Kinderalimente aufzubringen. Eine Herabsetzung der Alimente kommt für die Schweizer Justiz allenfalls und nur in geringem Umfang bei unverschuldeten Einkommensverlusten in Betracht, Abstriche durch eine Auswanderung sind immer selbst verschuldet. Im Ergebnis empfinde ich das als Freiheitsberaubung und Sklaverei, denn kaum ein Land der Erde erreicht das Einkommensniveau der Schweiz. Ich lasse mir jedenfalls nicht vorschreiben, wo ich zu leben und zu arbeiten habe.

Weil ich ausgewandert und nicht abgetaucht bin ist meine Adresse in der Schweiz bekannt. Meine Ex-Frau habe ich über die neue Einkommenssituation informiert und die Kinderalimente an meine Leistungsfähigkeit angepasst.

Alimentevorschuss vom Staat gibt es nicht, weil ihr Gatte zu viel verdient und über ein zu hohes Vermögen verfügt. Das finde ich gerecht. So trägt derjenige, der mir meine Familie geraubt hat, auch die finanziellen Lasten aus seiner Tat.

Die staatliche Unterstützung beschränkt sich auf unentgeltliche Inkassohilfe, also den Versuch bei mir Geld einzutreiben. Mit der Inkassostelle konnte ich mich in gepflegter und freundlicher Konversation schriftlich auf Zahlungen entsprechend meiner Leistungsfähigkeit einigen.

Es laufen zwar monatlich trotzdem noch 2.xxx Franken neue Schulden auf, die interessieren aber niemanden. Am Ende erben die Kinder meine Hinterlassenschaft. Dann sind sie Gläubiger und Schuldner in einer Person, oder sie schlagen das Erbe aus. Das Ergebnis ist immer ein Nullsummenspiel.

Restrisiken lassen sich natürlich nie ganz ausschliessen. Meine Vereinbarung mit der Inkassostelle kann jederzeit widerrufen und ein Strafverfahren gegen mich eingeleitet werden.

Schweizer Bürger haben dann ein Problem spätestens bei der nächsten Passverlängerung und wären, ohne gültigen Pass und damit ohne Visa, gezwungen in die Schweiz zurückzukehren um sich dem Gerichtsverfahren zu stellen. Weil ich keinen Schweizer Pass habe, bin ich davon nicht betroffen.

Allerdings kann ich in der Schweiz national zur Fahndung ausgeschrieben werden. Ich werde freiwillig niemals wieder in die Schweiz einreisen. Deshalb ist auch das kein Problem für mich.

Eine internationale Fahndung nach Alimente-Schuldnern gibt es nicht, kann aber möglicherweise irgendwann einmal kommen. Mit diesem Risiko kann ich leben und alles Weitere wird die Zeit mit sich bringen.

[Diskussion hier: http://www.trennungsfaq.com/forum/showth...p?tid=3245 ]
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#2
Viele Monate verlief alles in ruhigen Bahnen. Der mir von der Kindsmutter gewährte Kontakt zu den Kindern war, je nach ihrer Tageslaune, mal häufiger und mal seltener, insgesamt aber war es in Ordnung. Kontakt habe ich nur zu den Kindern, nicht zur Mutter und auch auch nicht zum Stiefvater.

Dann erzählten mir die Kinder immer öfter von Streitereien zu Hause zwischen Mutter und Stiefvater. Zudem würden die beiden bei den Kindern wegen geringsten Anlässen total ausrasten. Einmal habe die Mutter das zwölfjährige Mädchen zu Boden geprügelt und dann an den Haaren ein Stockwerk höher in ihr Zimmer gezogen.

Nun schreibt mir meine Tochter (oder die Mutter sich als Tochter ausgebend) alle paar Tage ein Mail, dass sie mich nicht mehr sehen will, dass ich als Vater zu wenig Geld bezahle und sie mich deshalb nicht mehr lieb hat.

Meine Antwort ist stets die gleiche: "OK, aber ich habe Dich trotzdem lieb."

Ich bin gespannt wie das Theater weitergeht. Zumindest zahlt es sich jetzt für meine psychische Gesundheit aus, dass ich mich von meinen Kindern schon lange emotional losgelöst habe.
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#3
Seit 2 Monaten absolute Funkstille, keine Post, keine Mails, keine Anrufe, endlich Ruhe und damit die volle Konzentration meiner Kräfte auf das eigene Wohlbefinden.
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#4
Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich das letzte Mal Kontakt zu meinen Kindern, Anlass für mich, dieses Thema abzuschliessen und die leblosen Erinnerungen an die Vergangenheit durch lebendige Gegenwart zu ersetzen.

Meine letzten Flüge nach Europa konnte ich dazu nutzen, jeweils einen Koffer voll zurückgelassenem Spielzeug mitzunehmen, das sich in meiner neuen Heimat kaum jemand leisten kann. Die Kinder in meiner Nachbarschaft waren ganz aus dem Häuschen vor Freude, als sie damit beschenkt wurden.

Während mich bisher der Anblick des kinderlosen Spielzeugs traurig machte, so sind es jetzt ganz besondere Glücksmomente, diese Kinder damit spielen zu sehen.

Die übrigen Spuren der Erinnerung an meine Kinder wie Fotos, Kleidung, usw. sind entsorgt und dieser Beitrag ist mein gedanklicher Schlusspunkt zu meiner Geschichte.
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#5
Nach über fünf Jahren mal ein Update, wie meine Geschichte weiterging. Um es vorwegzunehmen, unerwartet unspektakulär. Nachdem ich vor 6 1/2 Jahren den von der Kindsmutter und ihrem neuen Ehemann völlig vergifteten Kontakt zu meinen Kindern mit einem harten Schnitt abgebrochen und die Schweiz verlassen habe, kehrte allmählich Ruhe und Frieden in mein Leben ein.

Anfangs bekam ich von meiner Exfrau noch hässliche Emails und die Schweizer Unterhaltseintreiber versuchten mich mit fast täglichen Drohmails und Forderungsschreiben eine zeitlang unter Druck zu setzen, doch habe ich nie darauf reagiert und einfach kommentarlos jeden Monat von meinem Exil ein wenig Unterhalt entsprechend meiner Leistungsfähigkeit überwiesen. Das war für Schweizer Verhältnisse nicht viel, aber immerhin mehr als nichts.

Mit der Zeit ermüdete das Interesse an mir. Klar, wer kommuniziert schon gerne mit einem schwarzen Loch? Nun erhalte ich nur noch ein jährliches Infoschreiben über die neuen, der Teuerung angepassten Unterhaltsbeträge ohne irgendwelche Forderungen. Im letzten Infoschreiben haben mir die Unterhaltseintreiber sogar ausdrücklich für meine bislang stets zuverlässigen Unterhaltszahlungen gedankt. Eine überraschende Anerkennung meiner Bemühungen, weswegen ich das Schreiben ausnahmsweise nicht als Grillanzünder verwendet, sondern abgeheftet habe.

Von meinen Kindern habe ich nie mehr etwas gehört. Anfangs war mein Schmerz gross, doch nach ein paar Monaten legte sich das. Aus heutiger Sicht war der Kontaktabbruch und die Beseitigung aller Erinnerungsstücke für mich die richtige Entscheidung und wahrscheinlich auch das Beste für meine Kinder.

In den letzten Jahren habe ich einige Väter kennengelernt, die wie ich aus dem Leben ihrer Kinder gedrängt wurden. Doch statt ihren Verlust als Realität zu akzeptieren und als Chance für einen neuen propsperierenden Lebensabschnitt zu begreifen, haben sie sich für den naheliegenden juristischen Kampf um ihre Kinder entschieden. Ein Gerichtsverfahren führte meist direkt zum nächsten und allmählich befanden sie sich in einem Strudel von Prozessen, der sie am Ende bis auf die Knochen abgenagt wieder ausspuckte.

Keiner von ihnen konnte substantiell etwas erreichen, im Gegenteil. Sie haben sich, ihre Kinder und ihr persönliches Umfeld jahrelang mit Streit und Unfrieden vergiftet, dabei ihre psychische und physische Gesundheit ruiniert und
ein Vermögen an Anwälte, Gerichte und Gutachter verschwendet.

Als junger Unternehmer kam mir mein Vertrauen in Rechtsstaat und Justiz schon früh abhanden. Deshalb war ein gerichtlicher Weg glücklicherweise keine Option für mich. Ich hatte die letzten Jahre eine gute Zeit mit hoher Lebensqualität und persönlicher Zufriedenheit.

Nun ist meine Tochter gerade 18 Jahre alt geworden, was mich zu diesem Beitrag motiviert hat. Mein Sohn wird in wenigen Jahren ebenfalls volljährig und damit meine letzte Altlast, das Unterhaltsthema, abschliessen.
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#6
(27-06-2017, 21:01)Nathan schrieb: ...Als junger Unternehmer kam mir mein Vertrauen in Rechtsstaat und Justiz schon früh abhanden. Deshalb war ein gerichtlicher Weg  ...

Von welchem "Rechtsstaat" redest Du? Es gibt uch Staaten, wo der gerichtliche Weg und die Justiz auch richtig Spass machen koennen - beispielsweise Brasilien, Pakistan, Saudi Arabien. Dort ist der "kleine Dienstweg" und "Zuwendungen an die Entschiedungstraeger" noch Gold wert - eindeutig im Vorteil, wer da vor Ort agieren kann.
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#7
Ich denke, Nathan redet von der Schweiz.

Meine Geschichte ist der seinen nicht ganz unähnlich, zumindest was den Part des Abschliessens mit den Kindern und dem Vollzug der Auswanderung angeht. Bei mir waren die Kinder allerdings schon herausgewachsen aus der Unterhaltspflicht, so dass ich nur noch den lebenslangen nachehelichen Unterhalt für die Ex an der Backe habe. Aber der ist zahlbar, insofern keine wirkliche Belastung. Mir geht es wieder gut, Exe lebt von ein paar Euro Unterhalt von mir plus ergänzendem Hartz4. Ich wünsche ihr ein langes Leben im Elend.

Der Aspekt des Verlustes der Kinder in Nathan´s Geschichte ist eine Bestätigung dessen, was ich oft genug hier im Forum und anderswo gelesen habe und das sich zu meiner Überzeugung manifestiert hat: wenn Mutti nicht will, sind die Kinder weg. So einfach ist das, und so leicht zu verstehen. Kein Vater in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sollte seine wertvolle Lebenszeit und die paar verbleibenden Euronen darauf verwenden, die Justiz zu füttern.

Wenn Mutti nicht will, Schlußstrich und fertig.
Bibel, Jesus Sirach 8.1

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#8
Da schliesse ich mich an. Ich lese gerade die völlig durchgeknallten Berichte bzgl. der Mutter an die örtliche KESB.
Da wird gelogen und betrogen. Es bringt nur nichts, sich damit gross zu beschäftigen, weil es nichts bringt. Seitdem ich das ganze Thema verdränge bzw. ich mir meine Herausforderungen im Job suche, geht es mir wieder wesentlich besser. In der Schweiz gehen die Kinder entweder ins Heim oder zur Mutti. Wenn die KESB dann irgendwann wegen Überforderung intervenieren muss, geht es direkt ins Heim. Aber niemals zum Vater.
Der wird ausgegrenzt und entsorgt. Dagegen kann man nur arbeiten, in dem der Staat diese Schweinereien bezahlen muss und man seine eigenen - zeitlichen - Aufwendungen klein hält. Manche Probleme lassen sich eben nicht lösen, aber wirkungsvoll abschütteln.
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