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Väternetzwerk - Wahrnehmung von Elternaufgaben und Beruf
#1
In meinem Betrieb habe ich mehrfach Benachteiligung durch meine Vaterschaft erlebt. Mein Elternzeitantrag mündete beispielsweise in einem Gespräch mit meinen Vorgesetzten, die mir durch die Blume erklärten, dass Mitarbeiter (MA) Familie oder Karriere machten.
Das ist krass für mich, aber noch krasser für alle Frauen, denen das Stigma als potentielle Mutter per se anhängt.

Ich glaube das ist ein Generationenproblem. Gleichzeitig sollte unsere Gesellschaft imstande sein, das schneller als in Generationen zu ändern. Nur wie?

Wir haben dann im HQ (der Betrieb beschäftigt insgesamt mehrere zig-tausen MA) als Vorreiter ein Väternetzwerk gegründet, auch um durch starke Väter die Mütter zu entlasten und gleichzeitig die Produktivität zu erhöhen.

Beim ersten Treffen nahmen sehr viele Menschen teil, aber die Beteiligungsgremien (z.B. Frauenbeauftragte) entsagten uns ihre Unterstützung - es gäbe keine rechtliche Grundlage.
Es wurden immer weniger Väter, die zu den Arbeitstreffen kamen.

Schnell wurde klar, solange die Leitung unser Anliegen nicht stützte und die Beteiligungsgremien keine Schutzwirkung entfalteten, würde das Väternetzwerk nicht überleben.
Zu groß war die Angst der Väter vor Repressalien.

Wir suchten daraufhin eine Schirmherrschaft in der Leitung. Dort gab es bereits Schirmherrschaften - z.B. für den Rollout von SAP-Stufen (Achtung: Wertevergleich).
Ergebnis und Siegerehrung: Es fand sich kein Schirmherr, zum Väternetzwerk kamen neben den gewählten Vertretern keine Väter mehr.

Wie ist Eure Erfahrung in der gleichwertigen Wahrnehmung von Elternaufgaben und Beruf?
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#2
(Gestern, 10:12)SebastiAn86 schrieb: Wie ist Eure Erfahrung in der gleichwertigen Wahrnehmung von Elternaufgaben und Beruf?

Einige scheinen mehr oder weniger fortzubestehen. Von denen, die ausgehungert wurden, liest man natürlich nichts. Beispiele:

SAP - "dads@SAP". gut versteckt unter Gendermist, bullshit bingo in Trump-Sprache und Frauenförderung, aber aktiv: https://www.wirtschaftsinformatik.kit.edu/167_477.php

Telekom - "Heimspiel". Seite 31: https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blo...s-data.pdf

Beiersdorf: "dad.icated". https://www.beiersdorf.de/verantwortung-...beiersdorf

Ganz allgemein: conpadres. Die haben ein Produkt draus gemacht. https://conpadres.de/

Otto: "dads@OTTO". https://www.otto.de/unternehmen/de/press...inem-blick

Allen gemein ist, dass das nur als ein Blatt im hohen Stapel amerikanischer Sprachmüllkippen existiert, bei Otto z.B. zwischen PROUT AT WORK und MORE, antiRacism, Neurodiversity, #experienced, Fe*Male, inwieweit das mehr wie Bessermenschen Geklingel ist bleibt offen. Anders gesagt, wer sich besonders kräftig mit Diversitylaberei umgibt, hat oft auch ein Väternetzwerk darunter.

Eigene Erfahrungen hab ich nicht, weil ich aus diesem Rad komplett ausgestiegen bin. Die Erfahrungen von Verwandten und Bekannten Vätern sind äusserst durchwachsen. Überwiegend elend schlecht, wenn positiv vor allem im öffentlichen Dienst. Diese Initiativen in der Verwaltung sind aber generell behördenintern organisiert. Man hört nach aussen nicht viel davon. Wenn, dann von staatlichen Unternehmen, etwa die Bundesbank mit "starke Väter": https://de.linkedin.com/pulse/väter-vere...rken-c0k8e . Ein Bekannter mit drei Kindern bei der Commerzbank ist hingegen gegen eine Wand gelaufen.
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#3
@ p, das ist mal wieder eine sehr anschauliche Ausarbeitung, an der sich zwischen den Zeilen viel erkennen lässt. Fazit: Selbst wenn es tatsächlich mal um Väter gehen soll, kleidet man das Thema in Diversity-Bimm-Bamm und Gender-Gedöns, um nicht aufzufallen um ja dem vermeintlichen Mainstream zu folgen, denn sonst gibts Ärger.

@SebastiAn: Ich finde deinen Ansatz und dein Engagement mutig und bemerkenswert. Das man da mal Schiffbruch erleidet, ist keine Niederlage, sondern mündet im Erkennen, wie der Laden hier funktioniert. Das ganze Gleichbehandlungs-Gender-wir-sind-alle-Eins-Gedöns endet in dem Moment, wo alte Rollenbilder erwünscht und präferiert sind. Und das passt genau dann, wenn man bemerkt, dass nach wie vor der Mann und Vater an die Werkbank gehört und Mutti nach Hause.

In der Wirtschaft gibt es - wie immer im Kapitalismus - auch Strömungen und Wellen, die sich als erstes erkennbar machen bei denjenigen, die Unternehmen leiten und managen. Da gibt es Phasen, in denen es normal war, dass man Leute präferierte, die sich im Unternehmen hoch gearbeitet haben. Dann Phasen, in denen man Leute präferierte, die von Außen einfliegen und sich so von Etage zu Etage hoch hangeln. Dann Phasen von Kaufleuten, dann lieber Bürokraten, dann lieber wieder Leute aus Manager des Hochadel, Universitäten entsprungen, deren Existenz dem Normalbürger nicht einmal bekannt ist.

Was Du erlebst ist erhellend und bleibt den Meisten verborgen. Der tatsächliche Ansatz und die tatsächliche Vorstellung vom Führen eines Unternehmens von Seiten der Unternehmensleitung. Es hat selten eine Zeit gegeben, in der sich Wirtschaftsbosse so heuchlerisch verhalten haben wie heute.

Auf entsprechenden Symposien verhalten sie sich wie Lämmer. Zugewandt, Politikhörig, Divers ,-) . Im Unternehmen verhalten sie sich wie Löwen im Antilopengehege. Persönlichkeitsgestört, nach unten tretend, asozial. Am Ende weißt du wo du stehst.

Gut erkennbar ist das gerade in Gefilden, abseits der Werkbänke. Nehmen wir den angestellten Steuerberater einer großen Steuerberatungsgesellschaft. Oft verheiratet, 5 Kinder, nach außen Familienvater, aber nie daheim. Recht gutes Gehalt, wenn auch ein Witz gegenüber der Führungsriege. Am Wochenende mit dem Klienten auf dem Golfplatz, statt zuhause am Frühstückstisch. Die Frau bekommt alternativ einen Porsche, der Lover wird ignoriert. Mann geht ja selbst gerne mal ins Freudenhaus. Das Ganze am besten noch mit religiösem Anstrich nach Außen. Man würde sich wundern, wo das alles vorkommt.

Wer da als Mann an kommt und von Familie redet und von Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist schnell raus aus dem Spiel. Wer die Dynamiken deutscher Unternehmen kennt (die im Ausland sind mir unbekannt), weiß, warum wir so viele Probleme haben und warum du nur noch maximal auf Fachidioten triffst. Nicht selten kannst du an dieser Wortkreation die erste Silbe "Fach-" auch weg lassen.

Und du hast richtig gefolgert, dass die Angst der Männer schnell zu groß ist, am Ball zu bleiben. Das ist schlicht die Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes. Die Folge sind sonst nicht nur Verfahren vor Arbeitsgerichten, die ähnliche Ausmaße haben wie die vor Familiengerichten, sondern Burnout und Frührente.

Da ich der Meinung bin. dass man das Ganze viel zu spät erkennen wird, weil man es nicht erkennen will, habe ich mich aus dem System verabschiedet. Das kann man natürlich nicht ohne Weiteres. Mir ist da mein Privileg bewusst.

P.S.: Ich habe hier aktuell eine Kollegin, die noch Mitglied der aktuell größten Oppositionspartei ist. Es ging in deren Verbandsgemeinde um die Verteilung der vom Bund zugeteilten Gelder in Form von Infrastrukturmaßnahmen. Im Zuge dessen, bin ich für diese Fraktion dort beratend tätig. Also rief die mich an und erzählte was von Frauenhaus und so.... Mit Hinweis, dass ein paar Kilometer weiter gerade eines ausgebaut wird, habe ich die mal geimpft.

Also hat die sich mal mit Männerthemen beschäftigt und das Ganze vorgebracht. Stichwort: Männerhaus (Weicht jetzt völlig von deinem Thema ab, soll aber mal als Beispiel gelten um zu begreifen, wo wir stehen)

Danach hat sie erkannt, wie es ist, vor Wände zu rennen. Nun will sie einen Umweg nehmen. Zuerst über ein Jugendhaus, dass sich mit den Problemen von Jungen beschäftigt, um über Umwege zum Ziel zu kommen. Die dreht gerade an allen Rädern. Anruf von ihr: Ich habe aktuell alles versucht und bleibe dran. Aber erreicht habe ich noch nichts.

Die Links die p veröffentlicht hat, mögen solch Engagement widerspiegeln, sind aber zumeist bei näherem Hinsehen Luftnummern und für die Firma geeignet, lediglich keine Angriffsfläche für die Kommunisten zu bieten. Man baut so etwas nur als potemkinsches Dorf auf, um zu zeigen, dass man auf Linie ist. Das ist die vordergründige Motivation, damit das Unternehmen seine Ruhe hat.
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#4
Wenn es Väterinitiativen und andere "Programme" für Frauen, alle Hautfarben ausser weiss, Gspinnerte ("Neurodivergent"), Herkünfte gibt, dann weil es gerade politisch opportun erscheint und damit Tugendhaftigkeit signalisiert wird. Ändert sich der politische Wind, lässt man sie sofort verhungern, wie man es anschaulich auch in den USA sieht. Einen Schirmherrn zu finden wäre kein Problem gewesen, wenn Väter eine politisch umworbene Gruppe wären, so wie es Mütter sind. Firmen wollen das alles nicht, sie wollen Geld verdienen, egal wie, das Spitzenpersonal will den nächsten Bonus kassieren, egal wie aber so hoch wie möglich, alles andere ist Show die dieses Ziel ein bisschen schöner anpinselt. Was nichts zu beiträgt, wird aussortiert, hängengelassen oder diesem Ziel untergeordnet.

Von den sieben Schritten zu einer Väterinitiative ist es bei Schritt 3 gestoppt. Sowas geht in dieser Reihenfolge:

- Interesse ermitteln
- Klare Ziele formulieren
- Verbündete suchen (Sponsor aus dem Management, Schirmherr, Initiativen mit Unterstützung einer Führungskraft)
- Niedrigschwellig starten
- Regelmässige Struktur schaffen
- Sichtbarkeit erhöhen
- Erfolge messbar machen und kommunizieren.

Der einzige Punkt, den ich in SebastiAn86s Beschriebung anders gemacht hätte, wäre der breite Ansatz. Wäre "Beim ersten Treffen nahmen sehr viele Menschen teil". Da wäre ich erst bei fünf bis zehn interessierten Vätern geblieben, die einen monatlichen Termin festlegen und erst die Unterstützung von Personalabteilung und Betriebsrat gewinnen. Also nicht breit und dann in der Luft, sondern erst klein und kräftig. Damit bleibt man beweglicher.
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#5
Von einem Bekannten habe ich Ähnliches gehört – in einem größeren Konzern. Dort gibt es ein sogenanntes Papanetzwerk. Auffällig ist jedoch: Bei jeder Veranstaltung sind Personalerinnen dabei.

Einmal gab es einen interessanten Vortrag zum Thema „Kindererziehung“ – und auch dort saßen wohl wieder die Personalerinnen mit im Raum.

Ansonsten hört man aus dem Netzwerk vor allem von Wohlfühlthemen: gemeinsame Besichtigungen mit Kindern, Familienaktionen und Ähnliches. Ein Forum, in dem auch kontroverse Themen offen diskutiert werden können? Fehlanzeige.
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